religiöses Tanzverbot im Jahr 2008

By OHM-Blog

Was mag das für ein Staat sein, der seinen Bürgern an bestimmten Tagen aus religiösen Gründen das Tanzen und verbietet (gleich ob man an diese Religion glaubt oder nicht), und die Einhaltung der verordneten miesen Stimmung auch noch durch die eigene Polizei kontrolliert und mit Strafen erzwingt? Afghanistan unter den Taliban? Nein, Deutschland 2008. Wer heute gerne feiern möchte, weil morgen schließlich Feiertag ist, muss damit rechnen bei Diskotheken vor verschlossenen Türen zu stehen. Denn mit der Trennung von Staat und Kirche ist es hier leider nicht weit her. An einigen christlichen Feiertagen, wie eben auch dem morgigen “Karfreitag” wollen die miesepetrigen Kuttenträger niemand das Spaß haben erlauben. Verboten ist nicht nur das Tanzen und öffentliche Hören von Musik, sondern auch andere öffentliche Veranstaltungen wie beispielsweise Sportveranstaltungen, da auch diese über den „Schank- und Speisebetrieb hinausgehen“ (Wikipedia) Heute Nacht ab 0 Uhr wird deswegen die Staatsmacht in Nürnbergs Kneipen und Diskotheken unterwegs sein, und kontrollieren, ob auch alle brav die christlichen Sitten einhalten. Da braucht die CSU gar nicht noch mal extra mahnen, meint Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer: “Wir in Nürnberg haben stets strengstens darauf geachtet, dass die stillen Tage in der Karwoche strikt eingehalten werden, und zwar bis Karsamstag um Mitternacht.”

Um das Maß vollzumachen will die CSU dieses Jahr auch ein Party- und Musik-freies Halloween erzwingen. Am Besten läßt man die Süßigkeiten sammelnden Kinder dann auch noch gleich vom Staatsapparat zusammenschlagen und in geschlossene Heime einweisen. Wäre doch nur konsequent…

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3 Antworten zu “religiöses Tanzverbot im Jahr 2008”

  1. Melanie sagt:

    Feiertage haben einen bestimmten Hintergrund, den man immer in irgendeiner Art und Weise respektieren sollte. So auch an Ostern, wenn wir die Hintergründe nicht berücksichtigen brauchen wir auch in Zukunft kein Weihnachten etc. mehr. Also Respekt und Akzeptanz wären wohl angebracht, schließlich ist Ostern auch ein Fest der inneren Einkehr und nicht nur Konsum und Schokoeier!

  2. Stefan sagt:

    Ja, schon interessant, dass man zwar die Feiertage zum feiern nutzen will, den Grund der Feiertage aber ablehnt.

    Es ist dann nur konsequent Ostern, Weihnachten, … nicht zu feiern – wenn es also nichts zum Feiern gibt muss man ja auch nicht zum Tanzen gehen.

    Ciao!
    Stefan

  3. Sam sagt:

    Hallo Melanie, hallo Stefan! Ich seh das ein bisschen anders. Selbst auf dem Papier sind nur noch 60% der Deutschen Christen, die Zahl derer, die diese Religion praktiziert ist noch viel niedriger. Wenn ein Christ ein christliches Fest begehen möchte, steht dem nichts im Wege. Allen anderen aber zu diktieren, dass sie sich an so einem Tag gefälligst auch an Rituale zu halten haben, an die sie nicht glauben, kann in einer Demokratie nicht möglich sein – sowas erinnert doch eher an Theokratien wie den Iran o.ä.. Das Grundgesetz garantiert eigentlich Religionsfreiheit, insofern widerspricht das “Tanzverbot” der Neutralitätspflicht des Staates in weltanschaulichen und religiösen Belangen. Selbstverständlich respektiere ich Menschen, die am Karfreitag aus christlicher Überzeugung lieber zu Hause bleiben und Fisch oder Mehlspeisen statt Schweinebraten verputzen. Es geht auch nicht darum, dass solches Verhalten nicht mehr möglichsein soll. Im Gegenzug kann es aber auf keinen Fall angehen, dass religiöse Fanatiker allen Nicht- und Anders-Gläubigen ihr Verhalten aufzwingen. Wenn mir die Kreuzigung schnurzegal ist, wer hat dann das Recht, mir am Karfreitag das Spaß haben zu verbieten? Anders herum wär das ja auch eine Anmaßung. Oder stellt Euch mal vor, jemand würde Euch zwingen, an einem bestimmten Tag dem fliegenden Spaghetti-Monster zu huldigen, und Euch verbieten an diesem Tag in die Kirche zu gehn oder zu beten. Was Weihnachten angeht, ist das haargenauso. Niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, was sie an den freien Tagen gegen Jahresende machen. Ob man dabei nur an Konsum denkt, gar nicht feiert, sich Splatter-Filme reinzieht oder eine Messe besucht, geht niemand etwas an. Im Übrigen gehts auch nicht darum Feiertage abzuschaffen. Ein Vorschlag des IBKA ist es z.B., ein Feiertagskonto einzurichten, damit sich jeder Arbeitnehmer selbst entscheiden kann, wann er Feiertage einlegt. So können Christen, Muslime, Juden usw. jeweils an ihren Feiertagen frei nehmen, aber auch an persönlich oder weltanschaulich bedingten besonderen Tagen (z.B. Todestag oder Geburtstag wichtiger Personen). Soweit muss man aber gar nicht gehen um die Zwangschristianisierung zu kritisieren. Das Tanzverbot als anachronistischer religiöser Zwang muss aber auf jeden Fall weg.

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