Paladin Milchfabrik macht FH & Mercedes Platz
Der Paladin Milchhof ist vielen vielleicht nur als verlassene Fabrikruine ein Begriff. Hinter dem Nachbargelände des Nachtpalais, gegenüber dem Wöhrder See, verbarg sich jedoch laut NN einiges mehr:
Der Milchhof aus dem Jahr 1930 gilt als besonders geglückte Industriearchitektur. Otto Ernst Schweizer, der auch Nürnbergs Fußballstadion, das Planetarium sowie das alte Arbeitsamt entworfen hatte, plante den markanten Faltdachbau nebst 76 Meter hohem Eisenbeton-Schornstein sowie repräsentativem Verwaltungstrakt.
Die funktionalen Gebäude aus Beton, Stahl und Glas an der Kressengartenstraße sind ein wichtiges Aushängeschild des «Neuen Bauens» ab Ende der 20er Jahre und ein markantes Wahrzeichen des Nürnberger Ostens.
Die denkmalgeschützte architektonische Meisterleistung wird jedoch gerade abgerissen, und soll u.a. einem FH-Gebäude sowie einer Mercedes-Niederlassung Platz machen. Der BR dazu:
Der Architekt hatte sich das Schicksal seines Milchwerks anders vorgestellt: Er konzipierte es so flexibel, dass es sich problemlos auch für eine andere Nutzung umrüsten lassen sollte.
Der Stadtheimatpfleger Herbert May reagierte entsetzt und nannte den Abriss einen „Akt der Barbarei“.
«Das ist unglaublich traurig, einfach niederschmetternd. Es wird einen Aufschrei in der Architektur-Szene Deutschlands geben. Denn die Bedeutung dieses Bauwerks reicht weit über die Region hinaus.»
An den Plänen der Dibag AG und der Zustimmung der Stadt änderte das nichts, inzwischen rollen die Bagger. Als Begründung musste der marode Zustand des Industriedenkmals herhalten. Dieser ist jedoch nicht etwa bösen jugendlichen Vandalen zu verdanken, sondern liegt in der Verantwortung von Paladin, Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg. Den größten Schaden richtete Paladin selbst an, als die Firma das Dach der Milchfabrik aufschneiden ließ, um Maschinen über diesen Weg zu demontieren. Das geschah 1995, der Milchhof war bereits denkmalgeschützt, doch die Stadt schritt nicht ein. Danach überließ man das Areal Sondereinsatzkommandos der Polizei als Übungsgelände, die dort Löcher in Wände sprengte, Türen aufbrach, fleißig Munition verschoss und das Mobiliar sowie die übrigen Maschinen zerstörte. Laut NN und BR übte die Polizei dort „den Häuserkampf“. Eigentlich unglaublich, wie der Freistaat Bayern mit denkmalgeschütztem Kulturgut umgeht. Und nun wurden diese Schäden als Grund herangezogen, den Milchhof ganz abzureißen.
Bildergalerien vor dem Abrissbeginn:
Berenbrink.net, Spocket, Jay16k, Sesom², Sugar Ray Banister, BR
Bildergalerie während Abriss:
Konzept für die Neubebauung
Schlagworte: abriss, denkmalschutz, dibag, milch, milchfabrik, milchhof, nürnberg, paladin