Die Prüfungszeit quält noch einige Studenten, neigt sich jedoch langsam dem Ende zu, also warum nicht mal die Prüfungsmodalitäten an der FH genauer unter die Lupe nehmen? Ich kann dabei nur für meinen Fachbereich sprechen, deshalb gebt bitte Euren Senf zu Euren Studiengängen in den Kommentaren ab, damit man vergleichen kann. Über Schwere, Anforderungen usw. werde ich mich nicht auslassen, denn das ist wirklich zu subjektiv.
Bei den Prüfungen hat sich in den letzten Semestern einiges getan. Prüfungen werden nun auch am Nachmittag abgehalten, was ich persönlich sehr begrüße. Leider kam es so aber auch dazu, dass manche Studenten zwei Prüfungen an einem Tag schreiben mussten. Der Prüfungszeitraum wird nun besser ausgenutzt, und auch die Samstage öfter mit einbezogen. Soweit, so gut.
Was die Anonymität der Prüfungen betrifft, hat sich leider nicht viel verbessert. Während früher auf den Prüfungsbögen nur die Platznummer angegeben wurde, um eine Bewertung nach Sympathie zu erschweren, müssen seit einigen Semestern Name, Matrikelnummer usw. direkt auf den Prüfungen vermerkt werden. Damit ist es für die korrigierenden Professoren unmöglich, sich von Vorurteilen zur Person frei zu machen und tatsächlich nur den Text zu bewerten. Hier war man schon mal viel weiter. Zumindest die Unsitte, auch noch zu verlangen, dass die Studenten während der Prüfung ihren Personalausweis vor sich auf den Tisch legen müssen, und ein Prof durch die Reihen geht und die Gesichter abgleicht, wurde teilweise aufgegeben. Leider legen aber auch ohne eine solche Anweisung zwei Drittel der Studierenden den Ausweis auf den Tisch. Hier war die Erziehung durch die FH anscheinend in vielen Fällen erfolgreich.
Vielleicht wäre es wieder Zeit einen Anlauf zu unternehmen, die Anonymität der Prüfungen einzufordern. Eine objektive Bewertung der Prüfungsleistungen liegt ja auch im Interesse der FH-Leitung, deshalb stehen die Chancen gar nicht so schlecht.
Schlagworte: anonymität, prüfungen
02.02.08 um 22:01 |
Personalausweise während der Prüfung auf den Tisch legen?! Was für eine Überwachungs-Fachbereich ist denn das, wo du bist? Meine Kommilitionen und ich fühlen sich schon belästigt, wenn während der Prüfung die Aufsicht durchgeht und sich notiert, wer wo sitzt (kam allerdings bisher nur zweimal vor).
04.02.08 um 12:28 |
Also bei uns werden auch die Personalausweise und Studentenausweise geprüft. Es ist aber doch sogar notwendig, damit nur Personen die Prüfung mitschreiben können, die sich angemeldet haben (andernfall ist die Prüfung eh hinfällig).
Und ganz ehrlich: Glaubt ihr denn ihr werdet schlechter bewertet, wenn der Prof. den Namen des Prüflings sieht? Also zumindest bei uns kann man jede Prüfung einsehen. Ich persönlich habe damit kein Problem.
04.02.08 um 12:29 |
Achja, Fakultät Informatik.
Und Prüfungen am Nachmittag gibts bei uns schon seit ich denken kann. Platznummern hingegen nicht – freie Platzwahl (meistens). An Samstagen wird nicht geprüft.
04.02.08 um 16:47 |
Bisschen viel Gejammere da oben …
BWLer müssen immer Perso + Imma zeigen und haben bei den großen Leistungsnachweisen feste Platznummern. Deswegen kriegt aber trotzdem keiner ne schlechtere Note – schon allein deswegen nicht, weil nur die Aufsichtspersonen die Namen kontrollieren und nicht der Prüfer, der ist immer nur am hin- und hergehen zwischen den Prüfungsräumen, ob es Fragen gibt.
Hatte da bisher noch keine Probleme damit – und noch nicht mal den Gedanken, dass das irgendeinen Nachteil bringen könnte?!
Tja und 2 Prüfungen an einem Tag – das ist bei uns Normalfall. Es gibt sogar welche, die 4 Klausuren an einen Tag haben oder zwischen zweien nur 1 Stunden Pause. Ist zwar nicht so glücklich, aber machbar…
05.02.08 um 1:40 |
Meine Meinung zum Thema Prüfungsbewertung noch mal ausführlicher: Es geht nicht unbedingt darum, dass man schlechter bewertet wird. Manche werden besser bewertet, andere schlechter. Das ist meines Erachtens unausweichlich, die eigenen Vorurteile kann ein Prof beim Bewerten (von offenen Fragen) nicht ausschalten, das wirkt auch vollkommen unbewusst. Es gibt dazu ein paar schöne Experimente aus der Sozialpsychologie. Manche Sachen lassen sich nur schwer abstellen, z.B. dass die Schrift oder das Vokabular einen bestimmten Eindruck hinterläßt. Andere Einflussfaktoren dagegen wären leicht auszuschalten, z.B. eben indem kein Name auf der Prüfung steht. Ob man im Hinterkopf hat, nur Frauen wären gute SozPäds, nur Männer gute Informatiker, Chinesen besser in Mathe, Ost-Blockler dümmer als Deutsche, Leute mit Namen wie Jaqueline oder Maik unfähig zum Studieren – all das wäre dann garantiert ausgeschaltet.
Und selbst, wenn man nicht an den Einfluss von Vorurteilen glaubt, und es einem egal ist, ob der Name drauf steht – es macht ja dann auch nix aus, wenn nur eine Nummer auf der Prüfung steht, denk ich mal.
05.02.08 um 1:41 |
Und 4 Klausuren an einem Tag? Das ist ja Wahnsinn! Mir reichen 2 vollkommen…
05.02.08 um 16:58 |
Deshalb bin ich übrigens auch für Multiple-Choice-Prüfungen, weil die als einzige einen nachprüfbaren Zusammenhang zwischen ausgefüllter Prüfung und Bewertung/Note gewähren. Zumindest das Gütekriterium Objektivität ist dann erfüllt – schließlich kommen beim Auswerten eines MC-Fragebogens unterschiedliche Profs immer zu den gleichen Ergebnissen. Bei gleichem Notenschlüssel kommen dann auch immer die selben Noten raus.
05.02.08 um 17:13 |
Diese Problematik gibts bei technischen Studiengängen eher weniger. Wenn die Rechnung stimmt, dann stimmt sie (analog zu einer “Aussage”). Wenn man natürlich Punkte durch Argumentation bekommt, klar, da ist die Objektivität nicht mehr gewährleistet.
06.02.08 um 11:17 |
Ja, da hab ich nicht dran gedacht. Die offenen Fragen gibts wohl eher bei BW, SW und vielleicht noch Design. Damit ist das mit der Anonymität wohl eher weniger ein Problem bei den technischen Studiengängen.
07.02.08 um 11:45 |
Das mit dem Personalausweis vor den Studierenden auf dem Tisch hat wohl eher den Zweck zu überprüfen, ob Max Mustermann, dessen Namen auf dem Prüfungsbogen steht auch wirklich vor einem sitzt oder er einen Kollegen engagiert hat, die Prüfung für ihn abzuleisten – “Gesichtskontrolle” gibt es doch sonst nur bei der Platzziehung, theorethisch könnte man danach die Personen tauschen.
“Ob man im Hinterkopf hat, nur Frauen wären gute SozPäds, nur Männer gute Informatiker, Chinesen besser in Mathe, Ost-Blockler dümmer als Deutsche, Leute mit Namen wie Jaqueline oder Maik unfähig zum Studieren – all das wäre dann garantiert ausgeschaltet.”
Tut mir leid, aber das grenzt an Paranoia. ich habe schon viele Profs erlebt, und auch in Vorlesungen ist bei keinem irgendein Vorurteil in der Behandlung der Studs durchgesickert – Fragen wurden auch von einer Natascha oder einem Kevin anständig beantwortet.
Und nur Multiple Choice? Irgendwas sollte man zur Prüfungsvorbereitung schon noch tun müssen als nur oberflächlich für MC zu lernen.
Ganz ehrlich: Wer denkt seine schlechte Note kommt von einem Vorurteil des Profs ihm gegenüber, redet sich seine eigene Unfähigkeit schön.
07.02.08 um 15:28 |
@Pyro: Beleidungen ersezten keine Argumente. Außerdem bitte genauer lesen! Es geht nicht darum, dass man unbedingt schlechter bewertet wird. Die Argumentation zur Unwissenschaftlichkeit von offenen Fragen hast Du wohl überlesen. Es geht hier im Übrigen nicht um subjektive Gefühle, gerecht oder ungerecht behandelt zu werden, sondern um wissenschaftliche Forschungsergebnisse. So was wie “Objektivität” ist mit unserer Wahrnehmung nicht zu machen. Da muss man zu technischen Hilfsmitteln greifen.
Es gab z.B. ein Experiment, bei dem Lehrern vor der Einschulung Daten zu dem angeblichen Inteligenzquotienten ihrer neuen Schüler gegeben wurden. Was die Lehrer nicht wußten: Die Daten wurden umgedreht, die “schlechten” zu “guten” Kindern erklärt und umgekehrt. Nach einem Schuljahr konnte man den Einfluss der Vorinformation sehen: die Schüler, von denen der Lehrer überdurchschnittliche Leistungen erwartete, waren die besten, die mit den gefälschten schlechten IQs die schlechten.
Ein ähnliches Experiment wird hier beschreiben:
“Ferdinand (1971) ging der Frage nach, inwieweit die Einstellung des Lehrers zur allgemeinen Leistungsfähigkeit des Schülers die Aufsatzbeurteilung beeinflußt. Dazu legte er den Teilnehmern eines Lehrerseminars Aufsätze von Schülern des 4. Jahrganges in maschinenschriftlicher Form zur Benotung vor. Jeweils ein Teil der Aufsätze war mit der Vorankündigung versehen, daß sie dem »leistungsschwächsten Schülerdrittel« entstammen. Der andere Teil sollte von den Schülern aus dem »leistungsstärksten Schülerdrittel« angefertigt sein. In Wahrheit geschah diese Zuordnung zu den ausgewählten Aufsätzen willkürlich. Es ergab sich, daß über die Hälfte der Aufsätze mit der Instruktion »von besseren Schülern« auch bessere Noten erhielten als unter der negativen Instruktion. Weiss (1972) konnte in einer ähnlichen Arbeit nachweisen, daß Lehrer Aufsätze besser bewerteten, wenn sie darauf eingestellt waren, daß diese von einem bestimmten Schülertyp stammen. Wurde zu den Aufsätzen mitgeteilt, daß sie »von einem sprachlich begabten Schüler (Vater Redakteur in einer Tageszeitung)« geschrieben waren, so erhielten sie bessere Noten, als wenn sie angeblich ein »durchschnittlicher Schüler (beide Elternteile berufstätig, liest gerne Schundhefte)« verfaßt hatte. Aber nicht nur bei Aufsätzen, sondern auch in Rechenaufgaben waren je nach Vorinformation Unterschiede hinsichtlich der Beurteilung »kleiner Fehler« beobachtbar. Auch in einer Untersuchung von Wieczerkowski und Kessler (1960) wurden solche Arbeiten, die fiktiv als von »guten« und »intelligenten« Schülern stammend angekündigt worden waren, besser benotet.” http://bidok.uibk.ac.at/library/loesel-stigmatisierung.html#id3030640
Um einen sinnvollen Zusammenhang zwischen angeblich gemessener “Leistung” und Note herstellen zu können, muss dieser Prozess gewissen Gütekriterien genügen. Multiple-Choice ist bisher das einzige Testverfahren, das das ansatzweise tut. Und Multiple-Choice-Tests müssen nicht leichter sein als offene Fragen. Wenn sich der Prof beim Erstellen des Tests Mühe gibt, und insbesondere bei den Fragen in die Tiefe geht, statt nur oberflächliches abzufragen, ist das leicht zu bewerkstelligen.
07.02.08 um 15:54 |
Beleidigungen? Fühltest du dich angesprochen?
Und du ziehst Studien über Lehrer/Schüler heran, die man nicht ohne weiteres auf das Prof/Studenten Verhältnis ummünzen kann, auch wenn es sich hier vielleicht aus Gründen der Einfachheit anbietet.
Der von dir beschriebene hermeneutische Zirkel ist mir auch bekannt, aber bei einem der Experimente wurde den Lehrern der vermeintliche IQ der Schüler vorgegeben; in Übertragung auf andere Lehrer/Schüler Verhältnisse lässt sich sagen, dass sie die Schüler i.d.R. über mehrere Schuljahre kennenlernen. Wie lässt sich das nun auf die Hochschule übertragen, in der ein Prof teilweise bis zu 100 Studenten abfertigt? Die Kontaktnähe ist nebenbei sehr eingeschränkt – übertrage das doch bitte glaubhaft. Wieviele Stuenten kennt ein Prof persönlich beim Namen? Eine Hand voll? Deine Argumentation wackelt ziemlich, und sich dabei auf an den Haaren herbeigezogenen Studien festzuhalten hilft leider nicht viel.
Und Multiple Choice sind immer (!) leichter zu beantworten als das gelernte Wissen in eigenen Worten zu reproduzieren. M2c.
07.02.08 um 16:52 |
Zusätzlich bieten MC-Tests die Möglichkeit, viel mehr Stoff in der gleichen Zeit abzufragen wie offene Fragen, weil die Beantwortung nur Denk- und kaum Schreibzeit benötigt.
Und nochmal: selbst wenn man nicht an den Einfluss der Wahrnehmung und der Vorerfahrung des Korrektors glaubt – es kann einem dann doch auch nichts ausmachen, wenn`s anonym(er) ist.
07.02.08 um 21:02 |
Für Einsteiger: Gütekriterien empirischer Forschung
09.02.08 um 20:38 |
>Und Multiple Choice sind immer (!) leichter zu beantworten als das >gelernte Wissen in eigenen Worten zu reproduzieren.
Wer so einen Unsinn behauptet hat Augenscheinlich noch keine richtige Multiple Choice Prüfung geschrieben.
Solange man nur ja/nein ankreuzen muss, mag das noch stimmen, zumal man ja auch bei völliger Unwissenheit eine 50% Chance hat die richtige Antwort zu treffen.
Allerdings kann es sehr schwer sein eine MC Frage mit mehreren Antworten hinter der ein komplexer Gedankengang steht richtig zu beantworten, da es hier oft auf Nuancen in der Formulierung ankommt, welche Antwort die richtige ist. Man muss dann ein sehr viel tiefergehendes Verständnis haben, als bei einer offenen Frage, bei der man einfach zwei Bögen lang rumlabert und alles schreiben kann was irgendwie mit der Sache zu tun hat.
Ich bin zwar nicht unbedingt für reine MC Prüfungen, aber Sams Plädoyer für mehr Anonymität bei Prüfungen kann ich vollstens unterstützen. Im Abi schreibt auch niemand seinen Namen auf das Aufgabenblatt.