Microsoft ist ja nicht gerade für Innovationen bekannt – statt dessen setzt man lieber auf die Kraft des Monopols. Doch nun hat Microsoft einmal die Nase vorn – bei der Entwicklung von Mitarbeiter-Überwachungs-Systemen.
Ist doch ein alter Hut, werden manche sagen. Kameras im Büro, Keylogger, die alle Tastatureingaben aufzeichnen auf dem PC, und vom Chef mitgelesene mails sind ja nichts neues in manchen Betrieben. Doch Gates Firma geht noch einen Schritt weiter. Das „Unique Monitoring System“ überwacht „mithilfe von drahtlosen Sensoren zahlreiche Daten wie Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Bewegungen, Mimik und das Gewicht.“ Sogar Stress und Frustration sollen festgestellt werden können.
Für das neue Überwachungssystem biete sich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten an. Viele Callcenter erwarten etwa, dass Mitarbeiter während der Arbeitszeit durchgehend lächeln – wer nicht am Dauer-Grinsen ist, verliert seinen Job. Durch die Mimik-Kontrolle von Microsoft bräuchte es dann keine Aufpasser mehr, die im Callcenter patroulieren oder die Angestellten mit Kameras beobachten. In den USA ist das Lächel-Gebot auch in anderen Branchen verbreitet.
Für die meisten Unternehmen sind jedoch andere Möglichkeiten interessanter. So lassen sich „Leerlaufzeiten“ nun nicht mehr nur äußerlich erkennen, selbst wenn der betreffende Mitarbeiter Beschäftigung oder Auslastung vortäuscht, erkennen das die Sensoren. So kann auch erreicht werden, dass die Angestellten immer bis zur Erschöpfung arbeiten – wer nicht 100% seiner Energie für die Arbeit aufwendet, oder sich ab und zu geistig entspannt, wird von der Software erkannt. So sind weitere Produktivitätssteigerungen auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter möglich.
Volker Rieble, Arbeitsrechtler der Universität München, sieht keine Probleme für die Einführung in Deutschland. Solange es der Arbeitsleitung dienlich sei, wären medizinische Sensoren an Arbeitnehmern rechtlich in Ordnung.
Quellen: ZDNet, Süddeutsche
Schlagworte: Überwachung, Microsoft
26.01.08 um 12:16 |
In dem Zusammenhang vllt. interessant:
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,515164,00.html
Grundsätzlich gilt: Nahezu jede Technik kann man missbrauchen. Diese Methode kann auch für viele positive Zwecke genutzt werden (z.B. “Machen Mitarbeiter die vorgeschriebenen Pausen?”, “Ist der Stressfaktor der Mitarbeiter zu hoch?”). All das sind Dinge, die einen nicht kurzefristig operierenden Chef interessieren.
27.01.08 um 17:33 |
Die Technik mag neutral sein, in unserer Gesellschaft in der heutigen Situation wärs mir aber lieber, wenn sie verboten wird. Mal abgesehen davon, dass ich es schon für einen schwerwiegenden Eingriff halte, wenn an mir in der Arbeit Sensoren angebracht werden sollen – in einer auf Profitmaximierung ausgelegten Wirtschaft wird diese Technik wohl auch in den meisten Fällen zur Profitmaximierung genutzt werden. Und die steht halt oft im Gegensatz zum Interesse des Arbeitnehmers, z.B. wenn es um Gesundheits- oder Arbeitsschutz geht. Irgendwelche Auasbeuterbetriebe, die ihren Datentypisten 4€ pro Stunde zahlen, würden die Technik sicher nicht im Sinne der Angestellten verwenden. Und um das zu verhindern, kann man diese Überwachung meiner Meinung nach wohl nur ganz untersagen.
03.02.08 um 18:54 |
Oder man denke mal, was die in China mit so einer Technik machen…